16. März 2023 | Karin Roth | Alle Beiträge, Emissionen und Schadstoffe

Häufig findet man beim Kauf von Latexmatratzen die Bezeichnung „Naturlatexmatratze aus 100 % Naturlatex“ oder einfach nur „100 % Naturlatex“. Was hat es damit auf sich?


Naturlatexmatratzen bestehen in ihrem Kern aus geschäumter Latexmilch. Der Latex – oder auch Kautschuk genannt – stammt dabei aus dem Milchsaft des Kautschukbaums (Hevea brasiliensis). Für Naturlatexmatratzen gewinnt man den Latex hauptsächlich auf Plantagen in Thailand, Malaysia, Indonesien, China und Indien. Die Rinde der Kautschukbäume wird mit einem Messer angeschnitten und der herausfließende Milchsaft über eine Ableitrinne in einem am Baum befestigten Gefäß gesammelt.

Von der Latexmilch zum Matratzenkern

Für die Matratzenherstellung kommt Latexkonzentrat zum Einsatz: Dabei versetzen die Hersteller den aus den Bäumen gewonnenen Latex mit Stabilisatoren, um ein Zusammenklumpen zu verhindern, und konzentrieren die Masse anschließend durch Zentrifugieren.

Durch Anritzen der Rinde wird die Latexmilch gewonnen.

Für die weitere Verarbeitung des Latexkonzentrats zum Matratzenschaum gibt es zwei Verfahren: das Dunlop-Verfahren und das Talalay-Verfahren. Bei beiden findet eine sog. Vulkanisierung statt − ein Prozess, bei dem die flüssige Latexmilch zu einem Schaum mit dauerhafter Elastizität verarbeitet wird. Dabei vernetzen sich Isopren-Einheiten, die chemisch gesehen den natürlich vorkommenden Hauptbestandteil des Latex ausmachen, mit Schwefel und Zinkoxid unter Zugabe geringer Mengen an Hilfsmitteln (u. a. Dispergiermittel, Antioxidantien). Die überschüssigen Hilfsstoffe werden größtenteils nach der Vulkanisierung ausgewaschen.

„100 % Naturlatex“ bezieht sich demnach nur auf die Tatsache, dass der eingesetzte Latex komplett aus Naturlatex besteht (Latexmatratzen können auch aus synthetischem, erdölbasierten Latex, sog. Styrol-Butadien-Kautschuk, oder aus Mischungen von Synthese- und Naturlatex hergestellt werden). Die Aussage bedeutet nicht, dass der Matratzenkern ausschließlich dieses eine Material – den Naturlatex – enthält: Ein – wenn auch nur sehr geringer – Anteil entfällt auf die bei der Herstellung verwendeten Hilfsstoffe.

eco-INSTITUT-Label-Kriterien für Matratzenschäume aus Naturlatex und latexierten Fasern

Neben kompletten Matratzen, die direkt an Verbraucher:innen verkauft werden, können – für den Handel zwischen produzierenden Unternehmen − auch Vorprodukte wie Matratzenschäume (Schaumkerne ohne textile Bezüge) nach den Kriterien des eco-INSTITUT-Labels geprüft und zertifiziert werden. Die eco-INSTITUT-Label-Kriterien für Matratzenschäume gelten dabei nur für Naturlatex und latexierte Fasern (z. B. Kokosfasern), deren Herstellung mit 100 % Naturlatex ohne den Einsatz von Syntheselatex erfolgt. D. h., es werden nur Matratzenschäume zertifiziert, die zu einem Großteil aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen.

Im Gegensatz dazu sind bei den eco-INSTITUT-Label-Kriterien für komplette Matratzen (inklusive textile Bezüge) auch synthetische Materialien zulässig. Es können sowohl Matratzen aus Naturlatex, aus Mischungen von Natur- und Syntheselatex sowie Matratzen mit PUR -Kaltschaum-Kernen zertifiziert werden, wenn sie − einschließlich der textilen Bezüge − die strengen Anforderungswerte einhalten. Vanessa Laumann, Leiterin der Zertifizierungsstelle beim eco-INSTITUT: „Mit dem eco-INSTITUT-Label zertifizieren wir üblicherweise nur Produkte, die direkt an Verbraucher:innen verkauft werden. Eine Ausnahme stellen die Matratzenschäume dar. Hierbei beschränken wir uns aber auf die – aus unserer Sicht – ökologisch vorteilhaften Materialien Naturlatex bzw. latexierte Fasern mit einem hohen Anteil nachwachsender Rohstoffe.“

Bevor ein Matratzenschaum mit dem eco-INSTITUT-Label ausgezeichnet werden kann, muss das Produkt umfangreiche Laborprüfungen bestehen. Die Schäume werden auf Emissionen (u. a. flüchtige organische Verbindungen, Schwefelkohlenstoff, Nitrosamine und Ammoniak) untersucht und es wird eine Geruchsprüfung durchgeführt. Um die Qualität zu bestimmen, wird die Menge an Füllstoffen ermittelt − ein zu hoher Anteil kann sich qualitätsmindernd auswirken. Der Naturlatexanteil wird spektroskopisch überprüft. Bei latexierten Fasern erfolgen zusätzlich Analysen auf kritische Inhaltsstoffe wie Pyrethroide und bestimmte Phenole.

Teil eines Latexkerns in der Prüfkammer

Noch eine Besonderheit: Bei Matratzenschäumen, die mit dem eco-INSTITUT-Label ausgezeichnet sind, darf der Begriff „100 % Naturlatex“ nicht auf dem Zertifikat stehen. „Weil dies zu Missverständnissen führen kann, haben wir uns zusammen mit unseren Kunden auf die Bezeichnung ,Latex – hergestellt aus 100 % Naturlatexʻ bzw. ,Natural Latex – made from 100 % Natural Latexʻ geeinigt. Denn viele Hersteller möchten mit der Zertifizierung nachweisen, dass der Schaum nur mit Naturlatex, ohne den Einsatz von Syntheselatex hergestellt wird“, so Vanessa Laumann.

Um Unklarheiten bei der werblichen Verwendung des eco-INSTITUT-Labels zu vermeiden, gilt für Matratzenhersteller: Sie dürfen mit dem eco-INSTITUT-Label nur werben, wenn alle Bestandteile der Matratze die Prüfungen bestehen. Ausschließlich das Label eines eingesetzten Schaumkerns für eine komplette Matratze zu nutzen, wäre aus Kundensicht missverständlich und ist daher unzulässig. Mehr Informationen zum Thema „Richtig werben mit dem eco-INSTITUT-Label“ finden sich in unserem Infoblatt.


Weitere Informationen zum eco-INSTITUT-Label finden Sie auf unserer Seite zum eco-INSTITUT-Label hier. Dort können Sie auch die Kriterien für Matratzen und Latexprüfungen (und andere Innenraumprodukte) einsehen bzw. downloaden.


Bilder: Vanessa Laumann, Arne Herzog


Alle Schlagwörter zu dem Beitrag: Anforderungeco-INSTITUT-Label

2 Antworten zu “Fachbeitrag: Was bedeutet eigentlich 100 % Naturlatex?”

  1. Schmitz sagt:

    Hallo und lieben Dank für diesen Artikel.
    Ich überlege ein Bettsofa für meine von Allergien betroffene Tochter zu kaufen. Bisher habe ich selber gut mit Kaltschaum gemacht, ich hatte aber wegen der schwierigen Zertifizierungen von Bettsofas über Naturlatex nachgedacht und das Schlafsofa Dorena von Genske.
    Gerne wüßte ich, welche Ausführung – Kaltschaum oder Naturlatex – Sie mir unter den genannten Bedingungen empfehlen würden. Herzlichen Dank und lieben Gruss

  2. eco-INSTITUT sagt:

    Vielen Dank für Ihr Interesse an dem Artikel.

    Als unabhängige Prüf- und Zertifizierungsstelle möchten und dürfen wir keine Produktempfehlungen aussprechen. Sowohl Naturlatex als auch Kaltschaum-Produkte können strenge Anforderungen an schadstoffarme Produkte erfüllen. Naturlatex besteht zu einem Großteil aus nachwachsenden Rohstoffen. Kaltschaum wird in der Regel aus petrochemischen Rohstoffen hergestellt.

    Hinsichtlich möglicher Schadstoff-Expositionen empfehlen wir generell beim Hersteller oder Händler nachzufragen, ob eine Prüfung bzw. eine unabhängige Zertifizierung vorliegt, die regelmäßige Schadstoffkontrollen vorsieht (z.B. eco-INSTITUT-Label, QUL, Blauer Engel, GOLS) und ggf. Prüfergebnisse anfordern.

    Ebenso würde ich Ihnen empfehlen abzuklären, ob eine Naturlatex-Allergie vorliegt.

Navigation

Social Media