Europäische Kennzeichnung für Bodenbeläge


Das Inverkehrbringen von Bauprodukten in den europäischen Markt wird durch die Europäische Bauproduktenverordnung geregelt. Die Bauprodukte, die die Anforderungen der technischen Spezifikationen (EN-Normen oder europäisch technische Zulassungen (ETA)), dürfen mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet und in den Verkehr gebracht werden.

Diese Vorschrift gilt

  • seit 2007 für elastische, textile & Laminat-Bodenbeläge (EN 14041)
  • sowie seit 2010 für Holzfußböden & Parkett (EN 14342)

Europäisch notifizierte Stellen wie das eco-INSTITUT sind berechtigt, die erforderlichen Prüfungen durchzuführen.


EN 16516

Europäische Prüfmethode zur Evaluierung von VOC-Emissionen aus Bauprodukten

Auf der Grundlage des EU-Mandats M366 hat die Arbeitsgruppe des europäischen Komitees für Normung CEN/TC351/WG2 eine EU-weit gültige harmonisierte Prüfmethode zur Evaluierung von VOC-Emissionen aus Bauprodukten erarbeitet.

Am 6. September 2012 wurde diese Prüfmethode mit dem Titel Construction products - Assessment of release of dangerous substances - Determination of emissions in indoor air als Entwurf verabschiedet.

Die Veröffentlichung der harmonisierten Prüfmethode als EN-Standard erfolgte im Oktober 2017. (s. auch Neuigkeiten).

Zukünftig soll das CE-Zeichen die nationalen Zulassungen ersetzen. Davon sind auch die deutschen allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (gekennzeichnet mit dem Ü-Zeichen) betroffen, die für bestimmte Bauprodukte Emissionsprüfungen zwingend vorschreiben: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat am 16. Oktober 2014 diese deutsche Sonderregelung zum Gesundheitsschutz als Handelshemmnis in der EU ausgesetzt. Seit dem 16. Oktober 2016 ist das Gesetz in Kraft. Im Frühjahr 2017 hat die Bundesregierung jedoch Klage erhoben, da ihrer Meinung nach durch das EuGH-Urteil große Lücken in den Sicherheitsstandards für Bauprodukte entstanden sind (siehe auch Neuigkeiten).


Weitere Entwicklungen

In einem Artikel für die Zeitschrift Farbe und Lack beschreibt Daniel Tigges, Geschäftsführer des eco-INSTITUTs, in Zusammenarbeit mit der Journalistin Karin Roth die Lage so:

Aufgrund des EuGH-Urteils war Deutschland gezwungen, sein Baurecht anzupassen und eine neue Musterbauordnung einschließlich einer neuen Verwaltungsanordnung – der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) – zu entwickeln (siehe Infokasten). In den überarbeiteten Vorschriften wird nun klar zwischen nationalen und CE-gekennzeichneten Bauprodukten unterschieden. Eine gleichzeitige Kennzeichnung von Bauprodukten mit dem CE-Zeichen und dem Ü-Zeichen ist damit – wie von der EU gefordert – nicht mehr zulässig.

Hersteller von Bauprodukten haben nun verschiedene Möglichkeiten, um den Gesundheitsschutz gemäß den Vorgaben der MVV TB in Deutschland nachzuweisen – abhängig davon, ob eine harmonisierte EU-Produktnorm für das betreffende Bauprodukt existiert oder nicht: durch eine Europäisch Technische Bewertung (ETA), durch freiwillige Nachweise, durch eine Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) oder durch Zustimmung im Einzelfall.

Für Bauprodukte ohne harmonisierte EU-Produktnorm, technische Baubestimmung oder andere technische Regel (sogenannte ungeregelte Bauprodukte), die gemäß MVV TB einen Verwendbarkeitsnachweis benötigen, muss in der Regel eine abZ beantragt werden (alternativ ist auch eine ETA möglich). Diese Produkte werden auf Emissionen geprüft und mit dem Ü-Zeichen (im Fall einer ETA mit dem CE-Zeichen) gekennzeichnet. Dies betrifft beispielsweise Vor-Ort-Beschichtungen für Holzbodenbeläge.

Für Bauprodukte ohne harmonisierte EU-Produktnorm, die ihre Verwendbarkeit nicht nachweisen müssen (ehemals „sonstige Bauprodukte“), ist bislang weder eine abZ verpflichtend noch eine Emissionsprüfung gemäß MVV TB. Generell sind aber auch hier freiwillige Emissionsnachweise sinnvoll, da die betroffenen Produkte (z. B. Wandfarben) einen erheblichen Einfluss auf die Innenraumluftqualität haben können.

Hersteller von Bauprodukten mit harmonisierter EU-Produktnorm können im Rahmen einer ETA die Anforderungen zum Gesundheitsschutz zusätzlich belegen oder – neu – mit Hilfe eines freiwilligen Nachweises, der unter anderem die technische Dokumentation und die Emissionsprüfung des Produktes umfasst. Darunter können z. B. Brandschutzbeschichtungen fallen. Diese Regelungen gelten aller Voraussicht nach solange, bis es eine EU-weit einheitliche Lösung gibt – erste Schritte sind hier bereits erfolgt.

In Planung: VOC-Deklarationspflicht für Bauprodukte

Im Januar 2018 hat die EU die deutsche Fassung der DIN EN 16516 veröffentlicht – eine Prüfnorm, die die Emissionsmessung von Bauprodukten einheitlich regelt (für Beschichtungen gilt zusätzlich die DIN EN 16402). Jetzt muss die DIN EN 16516 noch in den einzelnen harmonisierten EU-Produktnormen verankert werden. Damit verbunden ist eine Prüf- und Deklarationsplicht: Betroffene Hersteller müssen ihre Produkte zukünftig auf Emissionen prüfen lassen und die Messergebnisse in der CE-Leistungserklärung angeben. Wie genau die neue Deklaration aussehen wird, steht aber noch nicht fest. Geplant ist die Angabe in Form von VOC-Klassen – in Anlehnung an das Konzept der Brandklassen. Dieses Klassenkonzept wird derzeit von der EU entwickelt und soll die Leistungserklärungen für Produkte in Europa harmonisieren, aber auch Gebäudeplaner und Verbraucher besser informieren.

Bis die neue VOC-Deklaration auf CE-Leistungserklärungen zu finden ist, wird es noch eine Weile dauern: Eigentlich sollte die Prüf- und Deklarationspflicht für bestimmte Bodenbeläge und Deckenverkleidungen bereits ab 1.2.2019 eingeführt werden. Die angepassten Produktnormen befinden sich aber noch im Entwurfsstadium – die Veröffentlichung im EU-Amtsblatt steht noch aus. Zudem gilt nach einer Veröffentlichung normalerweise eine Übergangszeit (sog. Koexistenzphase), in der die CE-Kennzeichnung auch nach „altem“ Schema erfolgen kann.

Praxis: Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen

Die neue Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) konkretisiert die neue Musterbauordnung (MBO) und damit die allgemeinen Anforderungen an Bauwerke. Sie ersetzt die bisherigen Bauregellisten sowie die Listen der technischen Baubestimmungen der Bundesländer. Neu ist insbesondere, dass die MVV TB Anforderungen, die sich in den alten Regelwerken auf Bauprodukte bezogen, nun auf Bauwerksebene definiert – analog zur EU-Bauproduktenverordnung. Die MVV TB weist für die Innenraumluftqualität aber explizit darauf hin, dass sich die bauwerksbezogenen Anforderungen aus den gesundheitsrelevanten Eigenschaften der verwendeten Bauprodukte ableiten. Eine Liste mit Bauprodukten, die VOC freisetzen und damit die Qualität der Innenraumluft beeinflussen können, findet sich in Anlage 3 zu Anhang 8 (Anforderungen an bauliche Anlagen bezüglich des Gesundheitsschutzes, ABG).

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Alle Angaben ohne Gewähr; zuletzt aktualisiert am 9. April 2020

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Für die Anforderungen des CE-Zeichens können vom eco-INSTITUT* folgende Produkte geprüft werden:
  • Elastische Bodenbeläge
  • Textile Bodenbeläge
  • Laminat
  • Holzfußboden
  • Parkett

*als europäisch notifizierte Stelle für die Fremdüberwachung und Produktprüfung (Konformitätssystem 1 & 3) im Geltungsbereich der EN 14041 und europäisch notifizierte Stelle für die Produktprüfung (Konformitätssystem 3) im Geltungsbereich der EN 14342



Das eco-INSTITUT ist Prüflabor und Ansprechpartner für:

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